In den letzten Jahren bin ich blind geworden für die Schönheit von Wien – ein Zeichen für mich, weiterzuziehen.
Wien wurde Alltag, ich interessierte mich nur noch dafür, von A nach B zu kommen, wollte nach Feierabend schnellstmöglich heim oder zum Treffen mit Freunden.
Ich kann gar nicht mal sagen, wie oft ich mit Freunden oder alleine durch die Wiener Innenstadt gestreift bin, blind für die Gebäude um uns herum, nur auf unsere Gespräche oder die Besorgungen/Termine konzentriert.
Nun sind es nicht mal mehr noch 3 Wochen für mich in dieser tollen Stadt, bevor der finale Umzug ansteht. Beim Ausmisten fällt mir ein Buch in die Hände, das mir meine Mama vor einigen Monaten geschenkt hat: 111 Wiener Orte und ihre Legenden.
Wie oft habe ich es beim Abstauben gesehen, mir gedacht, du solltest mal einen Spaziergang auf diesen Spuren unternehmen und so oft ist es im Regal stehen geblieben. Heute endlich nehme ich das Buch wieder in die Finger und entscheide mich dazu, in den nächsten 3 Wochen nochmal Tourist in Wien zu sein und ein letztes Mal die Schönheit der Stadt in mich aufzusaugen, um sie in Erinnerung zu halten.

Mein Weg führt mich zuerst in den 1ten Bezirk, wo natürlich am meisten Orte sind, die mit ihren Legenden auf mich warten. Wohin mich mein Weg führt? Einmal quer durch die Wiener Innenstadt.
Der Beginn ist natürlich bei der Hofburg, hier lese ich über die Bedeutung des Adlers über der Hofburg, das Ferdinandische Kreuz und später von Burgen und Vasallen über die Entstehung des Geschlechts der Habsburger. Letzteres als ich beim Michaelerplatz sitze und im Hintergrund das Hufgeklapper der Pferde – das ist Wien für mich.


Mein nächster Weg führt mich zum Josefsplatz, hier lese ich von den Alraunen im Prunksaal und 2 Legenden über die Augustinerkirche. Den Besuch beider erspare ich mir, war ich doch schon mit meiner Mama dort bei ihren Museumsbesuchen.

Weiter führt mich der Weg in die andere Richtung durch die Herrengasse bis hin zum Schottenstift, wo die Geschichten über den Ruhestein am Kloster sowie der Spuk im Schottenkloster mich, im Schatten des Pan Gartens auf einer Bank sitzend, in die Vergangenheit führen.
Vom Schottenstift führt der Weg weiter zum Verfassungsgerichtshof, wo früher ein Beisl (Gasthaus) stand, in dem der Teufel persönlich sowie Faust gewesen sein sollen. Gerade hier den Verfassungsgerichtshof zu errichten ist ja schon fast an sich ein Zeichen für sich.
Nebenan findet man die kleine Statue des Heidenschuss und von dort führt der Weg weiter zum Am Hof, wo mir die Legende der roten Franziska und heilige Anna der Kirche am Hof begegnet.

Ganz in der Nähe lese ich über die untoten Türken im Zeughaus und schlendere weiter zur Hohen Brücke. Weiter führen mich die Legenden zum Stoß im Himmel, dem alten Rathaus sowie Salvatorkapelle und der Fischerstiege.



Fast zuletzt lese ich vom besonderen Schinken an ehemaligen Rotenturmtor, der wundersamen Geschichte des heiligen Augustin, über das Kreuz im Königskloster und die Kapelle der Templer.

Zuallerletzt führt mich der Weg zum Kloster St Jakob, dem heutigen Gymnasium Stubenbastei, bevor meine Route für heute ein Ende findet.
Die Stadt auf diese Weise zu erkunden, ist sehr unterhaltsam, die meisten Legenden sind mehr unterhaltsam als dass sie mit greifbaren Gegebenheiten zu tun haben, doch sie zeigen Wien in einem ganz anderen Licht.
In den nächsten Wochen nun ist es mein Ziel, viele der Orte der Legenden zu besuchen, da Wien gar so groß ist, ist es gar nicht möglich alles auf einmal zu besichtigen, doch mir bleibt ja noch ein wenig Zeit.
Sich wieder mehr als Tourist in der eigenen Stadt zu fühlen, tut der Seele gut und mal ohne Hast herumzuschlendern, ist genau das richtige im frühen Fühling mit schon fast sommerlichen Temperaturen.
Seid ihr auch dabei, wenn ich mir die nächsten Orte von Wien anschaue? 🙂
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