Townsville – oder warum ich nichts von der Stadt gesehen habe?

Townsville – ein Ort, der bei vielen Backpackern auf der Liste steht nach Cairns – so auch auf meiner Liste. Im Vornherein habe ich schon entschieden, dass mir eine Nacht dort reichen wird. Es gibt eine Insel vor Townsville und die Stadt scheint nicht allzu groß zu sein und ich verbringe lieber woanders länger meine Zeit.

Die Fahrt von Mission Beach nach Townsville dauert gute 4h, ich würde empfehlen die Verbindung am Morgen zu nutzen, dann seid ihr gegen 1 in Townsville. Geschlafen habe ich im Civic Guest House Backpackers Hostel – etwas abseits der Partymeile rund um die Flinders Street, aber nicht so weit weg von der Innenstadt.

Von Townsville sollte ich allerdings nicht viel zu sehen bekommen. Wir kamen recht pünktlich am Busbahnhof in der Nähe vom Hafen an. Schnell meinen Backpack geholt, es steigen hier so viele aus, dass viel los ist und ich die Straße überqueren will mit dem Backpack in den Händen und auf der anderen Seite die leere Bank nutzen will, um den Backpack aufzuziehen. Soweit komme ich allerdings nicht, ich übersehe durch Gewusel und Backpack vor mir, dass der Bordstein hier schräg runter geht und knicke einmal über meinen rechten Knöchel um und falle auf die Straße. Der Knöchel schmerzt ziemlich und mein linkes Knie ist komplett aufgeschlagen – das fällt mir aber erst auf, als mich wer darauf anspricht und es säubern will – so sehr hat der Schmerz in meinem Knöchel mich gefangen. Nach kurzer Hilfe, schaffe ich es, meinen Backpack auf den Rücken zu bekommen und humpele zum Uber Pick Up Place – ich hätte eigentlich zum Hostel laufen wollen, aber mit dem Fuß keine Chance.

In 10 Minuten bin ich beim Hostel, ich habe Glück und kann direkt einchecken, obwohl es noch früh ist. Leider ist in meinem 4er Female Dorm nur ein Bunk Bed frei. Der Raum ist recht eng und viel Platz außer vor meiner Treppe ist nicht für meinen Backpack. ich mache erstmal Pause auf meinem Bett und entspanne meinen Fuß – vielleicht nur überdreht.

Nach einer Stunde fühle ich mich besser und will mir zumindest die Innenstadt anschauen, die Insel habe ich schon gestrichen, das erlaubt mir der Fuß heute nicht. Also geht es vorsichtig die Stockbett-Leiter runter. Ich bin so runtergeklettert, dass ich den verletzten Fuß am Ende am Boden aufsetzen würde und habe meine Kraft in den Bändern komplett überschätzt – ich knicke ein zweites Mal innerhalb von 2 Stunden nochmal um und dieses mal so heftig, dass ich das Gefühl habe, dass hier jetzt was kaputt gegangen ist.

Da ich heute Nacht nicht mehr die Stufen hochkommen werde in mein Bett, frage ich, ob ich in ein anderes Zimmer kann, wo noch ein unteres Bett frei ist, aber keine Chance alles ausgebucht. Der Rezeptionist zeigt mir, wo ich Eis finde und bewaffnet mit Eis, humple ich in den Gemeinschaftsraum, wo ich meinen Fuß hochlege und erstmal verzweifele: wie soll das denn jetzt weitergehen? Ich reise alleine, muss morgen schon weiter und kann unmöglich laufen! War es das jetzt mit meiner Reise und ich muss heim? Mit Gips & Krücken bleibe ich auf keinen Fall in Australien!

Den Nachmittag verbringe ich im Gemeinschaftsraum und habe Glück: abends kommen meine Mitbewohnerinnen zurück und eine erklärt sich dazu bereit, heute Nacht mit mir zu tauschen und ich kann unten schlafen. Ich lege mich wieder hin, pflege den Fuß mit Voltaren und Eispack und hoffe das beste. Irgendwie schlafe ich auch erschöpft ein und der Schlaf tut mir gut.

Am nächsten Morgen schaut die Welt schon ein kleines bisschen besser aus: ich kann zwar noch nicht wieder normal laufen, aber ihn etwas belasten. Den Vormittag verbringe ich wieder auf der Couch des Hostels und lege den Fuß hoch, bevor ich mit dem Uber zurück zum Busbahnhof fahre.

Mein Greyhound nach Airlie Beach hat leider am Ende gute 2,5 Stunden Verspätung, sie hatten einen Platten unterwegs, zum Glück gibt es viele Möglichkeiten, um hier beim Bus Bahnhof die Füße hochzulegen und das ganze Schonen tut dem Fuß gut. Noch dazu ist mir die Misere Donnerstags passiert und Freitags bzw. Am Wochenende haben ja nicht alle Ärzte auf.

Ich habe für mich entschieden abends, dass ich dem Fuß bis Montag Zeit gebe, ob ich mich bis dahin besser fühle und mit dem Fuß mehr machen kann, wenn nicht, dann gehe ich zum Arzt oder ins Krankenhaus.

Im Nachhinein hatte ich ein riesiges Glück im Unglück und einen ganz großen Schutzengel. Noch gute 2 Monate habe ich mit meinem Fuß rumgetan, habe ihn nicht zu 100% belasten können und spüre ihn auch heute noch an manchen Tagen oder wenn ich Flip Flops trage und meine Außenbänder belaste oder am Schreibtisch sitze und der Fuß ruhig nach unten steht – dann habe ich das Gefühl er platzt gleich und schwillt an – aber das geht mit Bewegung und Hochlegen im Wechsel wieder weg. Sozusagen Glück im Unglück und heute bin ich wieder fit – endlich!

Jeder fragt mich immer wieder, ob ich schon mal einen Tiefpunkt hatte und ich kann definitiv sagen, das hier war mein tiefster Punkt überhaupt. Ich stand kurz davor alles hinzuschmeißen und meinen Rückflug zu buchen – heute bin ich so froh, dass ich es durchgezogen habe. Zwar habe ich ein paar Erlebnisse nicht machen können, weil ich wirklich vorsichtig unterwegs war und ich musste das Slow Travelling erstmal lernen – jeder der mich kennt, weiß, ich laufe gut und gerne mal 20.000 Schritte am Tag – aktuell sind es gute 8.000 Schritte, ich fühle mich gut und ohne Schmerzen.

Ich denke jeder erlebt an irgendwelchen Punkten solche Tiefpunkte, aber es zeichnet uns auch aus, dass wir uns da durchkämpfen auf unsere Weise und ich bin sehr stolz auf mich selbst, dass ich mich da durchgekämpft habe. Obwohl es mir heute noch kalt den Rücken runterläuft, wenn ich mich an Townsville und die beiden Unfälle erinnere.

Habe ich jemals vor, nochmal nach Townsville zu gehen oder habe ich das Gefühl, etwas verpasst zu haben? Definitiv nicht! Die Stadt hat eine rote Karte von mir erhalten, ich bin froh, dass es so glimpflich ausgegangen ist und es mir heute, gute 2 Monate später wieder so gut geht, wie es mir heute geht! Ich habe lange gebraucht, es über mich zu bringen, diese Erlebnisse runter zu schreiben in diesem Blogeintrag – er ist wohl so lang geworden, da ich immer noch am Verarbeiten bin.

Meine Botschaft an euch: hört auf euren Körper auf Reisen und geht es langsam an – seit dem bin ich nie wieder mit meinem Rucksack vor mir in Richtung Straße gelaufen 🙂

Wenn euch etwas passiert, ist es in dem Moment echt schlimm und nehmt euch die Zeit, zu heilen und übertreibt es nicht sofort wieder. Aber steckt auch nicht gleich den Kopf in den Sand, ein Anruf bei der Familie oder beim Partner kann Wunder bewegen und sie ziehen euch wieder den Kopf aus dem Sand – geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid! Am Ende macht auch dieser Tiefpunkt etwas mit euch und ihr verändert euch auch dadurch weiter.

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