
Dieser Moment auf den dich niemand vorbereiten kann – nach so viel erlebtem und so vielen tollen Momenten kommt irgendwann auf der Reise die Realisation: eigentlich möchte ich doch auch mal wieder nach Hause. Auf ewig hält das Bankkonto dieses Reisen in den Tag hinein dann doch nicht aus und man braucht mal wieder ein paar Routinen, die man so lange nicht vermisst hat und sich doch langsam wieder in den Alltag einschleichen wollen und ein Job wäre auch nicht verkehrt – oder?
Auf einmal sitzt man am Abend während der Reise am Laptop, bringt seinen Lebenslauf auf den neuesten Stand und versucht in diesem schwierigen Arbeitsmarkt einen neuen Job zu finden – der Arbeitsmarkt ist so umkämpft wie nie zuvor und es hagelt haufenweise Absagen – ob aufgrund der neuseeländischen Kontaktnummer, weil die deutschen Arbeitgeber nun doch zu viel Angst vor dieser Lücke im Lebenslauf haben oder hält der Zeitunterschied davon ab, überhaupt mal einen Termin für eine Gespräch auszumachen? Wir wissen es nicht. Was wir wissen trotz 2 guten Lebensläufen: so schwer haben wir uns noch nie getan und wir fangen an zu zweifeln: ist das der richtige Weg? Sollen wir nicht doch erst die Reise genießen und dann daheim anfangen zu suchen? Die realistischen deutschen Gehirne sagen: nein du kannst doch nicht heimkommen ohne zu wissen wohin es hingeht – dass das typisch deutsch ist, zeigen uns auch unsere Familien. Seit bekannt ist, wann es zurück nach Hause geht, werden wir andauernd gefragt, wo es denn nun hingeht, ob wir schon neue Jobs haben, etc. Das kann ganz schön überfordern und macht es nicht leicht, die letzten Wochen voll zu genießen, man ist eh schon reisemüde und dann kommt dieser Stress noch dazu – auch das hinterlässt Spuren in uns und der Körper sagt immer mehr: nein ich brauche eine Pause.
Also nehmen wir die Pausen, beginnen mit Slow Travelling und sagen uns, wir können verzichten alles auf Muss zu sehen und nehmen uns die Zeit nur noch das zu sehen, was wir gerade wollen – mehr hätten wir auch nicht mehr gekonnt.
Dann ist der Tag da: wir verlassen Neuseeland – auf diesen Abschiedsschmerz hat uns keiner vorbereitet und doch haben wir damit gerechnet. Wir haben uns in dieses Land verliebt und die Tränen fließen nur so, als das Flugzeug in Richtung Australien abhebt.

Der erste Abschied von der großen Freiheit, die ich nun knappe 10.5 Monate meinen Alltag nennen durfte. Habe ich es genossen? Ja sehr! Gab es Herausforderungen, mit denen ich nicht gerechnet habe, die mich aus dem Konzept gebracht und all meine Pläne über den Kopf geschmissen haben? JAAA!! Aber auch das gehört dazu – für jeden machen wir hier ja nur einen langen Urlaub – ein Klischee womit ich persönlich noch heute sehr zu kämpfen habe – viele erwarten, dass man sich so einfach wieder eingliedern kann, man einen Plan hat, wo das Leben nun hingehen soll und man steht nur da: nein, wo ist mein Rückflugticket zurück in die Freiheit????
Nach 5 Tagen finalem Shopping – ich habe mir das Shopping in Australien bisher sehr verboten, immerhin wusste ich immer, dass ich alles noch rumschleifen muss – heißt es Abschied nehmen von den Freunden, die man vor Ort gefunden hat und auch von Jan, denn wir sehen uns erst einen Monat später in Deutschland am Flughafen wieder, er bleibt noch ein bisschen Down Under.
Und auf einmal heißt es: ein vorletztes Mal den Backpack packen, verdammt es ist doch sehr viel Kram geworden, wie schleift man den bloß nun nach Hause? Genug Freikilos habe ich zum Glück, da kommt meine Freundin Sarah um die Ecke mit der Rätsels Lösung: auch sie muss Mitte Juni Australien verlassen und bittet mich eine Reisetasche für sie schon einmal mitzunehmen. Darin passt auch noch ein bisschen was von meinen Shoppingeinkäufen und am Ende komme ich auf 32kg Gepäck von 35kg – gestartet bin ich mit 35kg, war zwischenzeitlich bei 23kg – upps 🙂

Der Morgen vom 27.04 ist geprägt von Tränen, es gibt ein Bild eines Koalas mit dem Spruch: The Bit where we say Goodbye – dieses Bild bricht mir mein Herz und macht mir bewusst: dein Abenteuer ist nun wirklich vorbei – vor knapp 11 Monaten bist du hier eingereist mit dem Herz voller Vorfreude, heute nimmst du einen Sack voller Erinnerungen mit an eine Zeit, die du keinem beschreiben kannst, es doch versuchst, es aber nicht schaffst, denn es ist nicht in Worte zu fassen.

Die letzten 3 Tage in Singapur helfen schon, sich innerlich zu verabschieden und auf all das Chaos, was zuhause auf einen wartet, vorzubereiten, denn ein Bürokratie Berg wartet daheim, darauf bewältigt zu werden. Der letzte Abend in Singapur (mein Flug geht um Mitternacht yay) zieht sich ganz schön wie Kaugummi, ich verabschiede mich von Singapur, wie ich auch damals begonnen habe: mit einem Selfie am Wasserfall im Jewel Terminal – ganz schön lang sind die Haare geworden in den letzten Monaten, ein bisschen bräuner sehe ich auch aus und echt fertig im Vergleich zu Anfang Juni 2024 – und das obwohl ich da aus einem 12h Flug gestolpert bin 🙂 aber gut irgendwo muss die Reise ja Spuren hinterlassen haben.

Am finalen Heimflug bin ich einfach nur erschöpft, schlafe ein bevor man mir das Tablett vom Abendessen weggenommen hat, schaffe es bis 2 Uhr deutscher Zeit zu schlafen und es mir sonst gemütlich zu machen, es steigt die Vorfreude auf zuhause und die Emotionen kochen hoch. Es ist das absolut schönste Geschenk zuhause aus dem Flieger zu steigen und zu sehen, wie Papa einfach direkt am Finger auf mich wartet – ein innerlicher Wunsch, den ich mich nicht getraut habe auszusprechen und mir in dem Moment einfach alles bedeutet, dass er meine Gedanken erahnen konnte. Was die Crew + anderen Passagieren in dem Moment denken, ist mir egal, ich stürze mich einfach in seine Arme und fange erstmal an zu weinen – auch heute kommen mir bei diesen Zeilen noch die Tränen, auf diese Umarmung habe ich nun 11 Monate gewartet. Whatsapp & Co kann die menschliche Umarmung einfach nicht ersetzen und es fällt schon einmal ein Stein vom Herzen – die letzten Monate war ich doch viel auf mich gestellt bzw. habe mich mit Jan den Herausforderungen gestellt, aber die eigenen Eltern sind doch einfach immer besonders.
Dank der automatischen Passkontrolle entfällt sogar das Willkommen zurück am Weg in Richtung Gepäck – so schön + schnell das ganze ist, es verliert doch einiges an menschlichem Kontakt. Das Zähne Putzen an diesem Morgen tut so gut wie eine ganze Dusche, erfrischt schon einmal und gibt Kraft für die letzten paar Meter.
München + Singapur Airlines geben sich wirklich Mühe und nach nicht mal 20 Minuten warten kommen schon die ersten Gepäckstücke. Kurz überlege ich nochmal ein letztes Mal den Rucksack auf den Rücken zu nehmen, aber keine Lust mehr, also los den Gepäckwagen geschnappt, Backpack sowie Sarah’s Reisetasche auf den Gepäckwagen und in Richtung Ausgang. Hier wartet dann auch meine Mum auf mich, nicht nur mir laufen hier die Tränen über die Wangen und es tut so unfassbar gut auch von ihr in den Arm genommen zu werden – die Umarmung der eigenen Eltern ist, glaube ich, etwas, worauf sich jeder freut, der so lange im Ausland unterwegs war und keinen physischen Kontakt zu ihnen haben konnte, sie trotzdem unterwegs so sehr vermisst und lieb hat – all das versucht man in diese ersten Umarmungen zu packen, man freut sich einfach so sehr, endlich daheim zu sein. Hier fällt der finale Stein von Herzen und das sage ich ihnen auch – da fragen sie ganz verwundert: Warum? Und man versucht die Gefühle der letzten Monate in einem Satz zu erklären: Jetzt musste ich alles alleine machen/klären/entscheiden – so oder so ähnlich waren wohl meine Worte.
Am Auto wartet noch eine weitere Überraschung auf mich: meine Eltern haben mir meinen Kuschelbären mitgebracht, die jetzt die letzten Monate so brav bei meinen Eltern gewartet hat und es wird erstmal geknuddelt – ja ich bin 29 und was das Thema angeht, werde ich niemals erwachsen 🙂

Das erste Mal wieder im Rechtsverkehr wird mir doch etwas anders, es fühlt sich schon wirklich verkehrt an, dafür ist das erste Mal im deutschen Bäcker eine wahre Offenbarung – deutsches Brot ist glaube ich fast das Lebensmittel, was uns am allermeisten gefehlt hat – gefolgt von einer laaaaaangen, laaaaaangen Liste 🙂 Die ich meiner Mum ein paar Wochen vor meiner Rückreise geschickt habe und meine Familie sehr erheiternd fand.
Zuhause angekommen mit frischen Brötchen sitzen wir zu dritt am Frühstückstisch und genießen es zusammen zu essen. Mein Dad fragt mich: So nun bist du in Singapur angekommen und wie war das so? Ich hatte sie im Vorfeld gebeten, mich zu fragen, da ich gar nicht weiß, was ich so erzählen soll um ehrlich zu sein, auch heute noch fällt es mir schwer, diese Zeit in Worte zu fassen, es ist einfach so viel passiert – es gibt nicht umsonst 4 vollgeschrieben Tagebücher, aus denen nach und nach dieser Blog vervollständigt werden wird. Während dem Frühstück schaffen wir es genau bis nach Darwin, ich erzähle ihnen nochmal im Detail, wie Jan und ich uns getroffen haben (sie werden das ganze Morgen nochmal hören, das wissen sie nur noch nicht). Danach ist erstmal eine Pause angesagt, ich muss wirklich mal duschen gehen und wir verbringen einen total gemütlichen Tag zuhause, gehen mittags eine Runde spazieren als der Jetlag das erste Mal kickt. Nach Kaffee + Kuchen (Mjam russischer Zupfkuchen) knallt der Jetlag mir dann doch mal um die Ohren und ich lege mich für 1.5h hin, der Schlaf tat wirklich gut. Zum Abendessen streichen wir gleich mal was von meiner Essensliste: es gibt Raclette – es ist zwar der 30. April und Sommer draußen aber mir zuliebe machen Mama + Papa das nochmal für mich und es ist ein Geschmackserlebnis pur für mich 🙂 Nach ein bisschen typisch familiären Fernsehen am Abend geht es dann auch kaputt ins Bett.
Am nächsten Tag beginnen 3 Tage Familie Pur, meine ganze Familie hat sich extra heute (Feiertag) und Morgen freigenommen, um mich zu besuchen + wieder willkommen zu heißen. Nach der ersten Begrüßung heißt es dann typisch meine Tante: Jetzt erzähl doch nochmal genau, woher kommt jetzt Jan und wie habt ihr euch kennengelernt? Eine Story, die ich schon öfter erzählt habe, doch in Person + en Detail ist es nun doch etwas anderes 🙂 Als Mittags meine Großeltern noch da sind, sind wir vollständig und es kommt immer öfter die Frage auf: wo geht’s denn nun jetzt für mich/uns hin?
Das habe ich hier noch gar nicht erwähnt, aber noch in Neuseeland habe ich die Zusage zu einem neuen Job erhalten und angefangen, meine Rückkehr zu planen. Außer Jan sowie meinen Eltern wusste es niemand, daher konnte ich daheim dann die Bombe platzen lassen: ich bleibe in Deutschland und ziehe nach Frankfurt – wo ich hier übrigens gerade sitze und diese Zeilen tippe. Es geht aus der Hotellerie heraus in den öffentlichen Dienst zur Deutschen Zentrale für Tourismus – dem offiziell von der Bundesregierung beauftragtem Verein, Deutschland als Reiseland/-destination zu vermarkten. Aus dem Finance habe ich es trotz Versuchen nicht ganz geschafft, aber ich habe zumindest das Aufgabenfeld gewechselt und beginne nun im Controlling am 01. Juni – also 1 Monat nach meiner Heimkehr, es soll ja schließlich nicht langweilig werden 😉
Noch in Neuseeland habe ich wieder ein möbliertes Wohnheim gefunden, dieses Mal etwas weiter draußen von Frankfurt Innenstadt als im Vergleich dazu mein Wiener Wohnheim, aber Wien war einfach Luxus. Mehr als den Preis, die Größe und 1 Bild kenne ich nicht, aber trotzdem bewerbe ich mich auf ein freies Zimmer ab 01.06 und habe sogar Glück und werde direkt genommen. Also unterschreibe ich in Australien noch den Mietvertrag und darf jetzt nebenher daheim noch meinen Umzug organisieren.
Meine Familie freut sich mega, dass ich heimkomme und erstmal daheim bleibe, dieses Mal auch nicht nach Österreich, sondern recht ’nahe‘ von Karlsruhe/Stuttgart zuhause sein werde, wo außer meinen Eltern ja alle von mir zuhause sind. Auch ich freue mich, so bin ich ihnen nahe und kann sie leichter besuchen als von Wien aus, wo es doch 8-9h ein Weg waren. Mal sehen wie oft ich es schaffen werde, aber das ist ein anderes Thema, wenn man wieder so nahe ist. Dass Jan noch keinen fixen Job hat finden sie schade, sie drücken uns die Daumen, dass er auch hier in der Nähe was finden wird, aber wir schaffen es auch so, wenn er irgendwo anders erstmal in Deutschland landet.
Die nächsten 3 Tage werden eine reine Völlerei, zunächst gibt es bayrische Brotzeit mit lecker Leberkäse, Kartoffelsalat (fast vergessen zu servieren), endlich wieder Obazda, andere Aufstriche, Schinken, Käse & Co – alles Dinge, wie wir so lange nicht bekommen haben – mjam! Am nächsten Tag wird dann gegrillt, es ist doch ein Unterschied, ob man auf einer Grillplatte am Gaskocher versucht zu grillen oder richtig grillt 🙂
Als die 3 Tage rum sind, bin ich auch echt kaputt und freue mich auf ein paar Tage Ruhe, es steht natürlich viel an zu organisieren, aber trotzdem war es ein super tolles heimkommen und hat super viel Spaß gemacht. Nun ist dies ein kleiner Einblick an das Gefühlschaos, womit wir uns am Ende der Reise beschäftigt haben, versucht haben zu verarbeiten und heute noch verarbeiten. Zwar nicht täglich und vieles gerät in Vergessenheit, seit Jan da ist kommen immer mal wieder eher Erinnerungen an das gemeinsam erlebte hoch und seit wir das Projekt Fotobuch angefangen haben, kommt vieles beim Scrollen hoch, alleine schon beim Ordnen in verschiedene Orten ist man wieder ganz viel im Kopf zurück auf der Reise und so kam es auch, dass ich mal wieder das Bedürfnis hatte, meine Emotionen runterzuschreiben in diesem Blogpost.
Und nun? Num sind schon wieder 6 Wochen in Frankfurt rum, ich weiß nicht wo die Zeit hinfliegt, langweilig wird es uns nicht! Auch wenn mein Instagram super leise bleibt – was will man im Alltag zwischen Job, Nebenjob & Schlafen schon groß posten? Wir versuchen uns noch an den neuen Alltag zu gewöhnen, langsam ist alles was ich zum Leben brauche gekauft für die Wohnung, ein paar Sachen sind immer noch bei meiner Oma zwischen geparkt, irgendwann muss ich das auch mal abholen. Jan & ich versuchen uns einen Alltag aufzubauen doch bei mir mit 35h Hauptjob sowie 5h+ für meine Nebentätigkeit für Germans wöchentlich ist da deutlich weniger Zeit als früher, Jan ist beschäftigt mit Bewerbungen & Probearbeiten. Doch trotz alledem bauen wir uns einen neuen Alltag, machen neue gemeinsame Erinnerungen und erleben zum ersten Mal so etwas wie Pärchenalltag wo man nicht zusammen im Auto oder Hostel wohnt.









Achja mein Fernweh kickt natürlich auch schon wieder, ich schau gerade alle Kollegen dabei zu, wie sie in den Urlaub fahren, aber wir werden ja nächstes Jahr 30 – mal schauen wos uns da hintreibt 😉 Der Blog ist weiterhin präsent aber doch sehr aufwendig, an den Routenplänen sitze ich doch einige Tage und mit dem vollen Alltag wirds leider doch schwierig da dran zu bleiben, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich irgendwann mal fertig werde 😉
Servus aus Hessen (ich bleibe Bayern hier treu), eure Caren

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